iPsyche

In unseren Gehirnen finden wir so etwas wie Interpretationssysteme. Hierbei handelt sich um Muster, die wir im Laufe der Zeit verinnerlicht haben; innere Prägungen die uns mitteilen: So funktioniert die Welt.
Wenn wir nun mit einem äußeren Reiz konfrontiert werden, wird dieser äußere Reiz sogleich mit unseren inneren Mustern in Verbindung gesetzt. Wenn wir zum Beispiel einen Facebook-Post lesen, wird dieser sofort mit allen bekannten inneren Mustern abgeglichen. Und darauf reagieren wir. Und so ist es möglich, dass selbst der kleinste und unscheinbarste Facebook-Post die komplexesten Reaktionen in uns auslösen kann. Denn bei diesem Prozess laufen im Grunde genommen zwei verschiedene Möglichkeiten ab: Entweder wir werten den Post als emotionale Bedrohung und aktivieren unser Flucht- oder Kampfsystem. Oder wir bewerten ihn als positiv und aktivieren unser Belohnungssystem: Wir lieben diesen Post!

Im Laufe der Zeit extrahiert unser Gehirn dann Regeln und Gesetze über Facebook-Posts. Unser Kopf weiß somit immer schneller und besser, was er gut findet und was nicht. Was also vermieden, bekämpft oder belohnt werden soll. Der Clou an der ganzen Sache dabei ist: Das ist uns überhaupt nicht bewusst. Das passiert einfach. In uns. Mit uns.

Der Buddha benennt diesen Vorgang in seiner Lehre der Vier Edlen Wahrheiten: Wir erfahren unser Leben oftmals so leidhaft, weil wir entweder mit Abneigung oder Anhaftung darauf reagieren. Diese Reaktionen entspringen dabei unserer Unwissenheit. Wir wissen nicht, so der Buddha, wie wir und die Welt tatsächlich beschaffen sind und reagieren dementsprechend, rein auf der Grundlage unserer subjektiven Konditionierungen.

Ein möglicher und hoch effektiver Weg aus dieser menschlichen Misere ist die Achtsamkeit. Achtsamkeit verhilft uns Einfluss auf diese unbewussten Prozesse zu nehmen. Wir lernen durch eine achtsame Praxis, wie wir uns von unseren Affekten, Gedanken und Gefühlen distanzieren können, sie "von außerhalb" betrachten können. Dadurch sind wir in die Lage, mit Gleichmut die uns einstürmenden Reize zu erkennen, anstatt blindlings auf sie zu reagieren.

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