Das innere Erleben einer Meditation

Die Meditation beginnt schon eine Stunde bevor du dich auf das Meditationskissen setzt, sagte die buddhistische Nonne Ayya Khema. Denn wenn dein Geist noch voller Aktivität und Unruhe ist, wird sich diese Geschäftigkeit auch auf deine Meditation übertragen. Sei dir also bewusst, dass du gleich meditieren wirst, fange an, achtsamer und bewusster zu werden. Sammle dich und bereite dich innerlich vor.

Meditation ist auf so vielen Wegen erfahrbar. Wir haben es selbst in der Hand, worauf wir unseren Fokus legen und was wir erfahrbar machen möchten. Wollen wir unsere Herzenergie stärken? Wollen wir achtsam den Atem wahrnehmen? Wollen wir subtile energetische Erfahrungen erleben? Die Meditation ist ein weites Feld. Aus diesem Grund berichte ich an dieser Stelle von einigen Erfahrungen, die mir zuteil werden, während ich bewegungslos und gleichzeitig so lebendig auf einem Meditationskissen sitze. Es lohnt sich wie ich finde, in einen regen Austausch über das innere Erfahren zu kommen - es ist eine eigene, unglaublich faszinierende Wissenschaft des Geistes.

Ruhe. Eine Kerze flackert. Nach einigen Dehnübungen nehme ich Platz. Sanft bewege ich meine Wirbelsäule und spüre die knirschende Füllung in dem Meditationskissen. Ich fokussiere mich auf den Atem, spüre wie die Luft durch meine Nasenlöcher strömt und meinen Bauch füllt. Meine Schultern entspannen sich und mein Gesicht. Innerlich verbinde ich mich mit der Welt. 
Deutlich sehe ich Menschen, die hilfebedürftig und schutzlos sind. Ich wünsche diesen Menschen, dass sie Glück erfahren mögen und vor allem die Wurzeln des Glücks entdecken. Voller Gleichmut mögen sie sein und ein ruhiger Geist soll sich in ihnen entwickeln, frei von Ärger, Gier und Unwissenheit. Ich spüre, dass ein reiner Geist mehr zum Gelingen dieser Welt beiträgt als ein unreiner Geist und dies beflügelt mich, mit meiner Meditation fortzufahren.

Einige Minuten spüre ich nur den Atem, wie er durch die Nase ein- und wieder ausströmt. Deutlich erlebe ich, wie die Qualität des Atems sich dabei verändert. Er wird tiefer und irgendwie dunkler, schwerer und gleichzeitig sanfter. Zugleich hebt sich die Herzenergie. Das Öffnen des Herzbereiches erfahre ich als eine Art Energiewolke, die sich im Brustraum versammelt. Ich lege meine Aufmerksamkeit nun in diese Energie und verschmelze mit ihr. 

Es ist Freitag Abend und die Stadt Berlin pulsiert. Mein Geist vereinigt sich mit dem Geist der Stadt. Obwohl ich regungslos in einem Zimmer am Stadtrand sitze, spüre ich das Pulsieren der Nacht in meinem ganzen Körper. Durch meine Adern fließen unzählige Partygänger, Autos, Bars und lachende Stimmen. Es gibt in diesem Moment keine Trennungen zwischen mir und der Stadt, ich bin vollkommen in diese Nacht gehüllt. In diesem einen Moment bin ich Berlin und ganz Berlin ist in mir. Gleichzeitig bin ich mir dieses Umstandes deutlich bewusst, gleichzeitig beobachtet etwas dieses ganze Geschehen.

Ruhe. Weite. Einfach nur Geist, einfach nur Weite. Alles zurück gelassen für einige Momente. Gedanken fließen wie ein kleiner Mühlbach, unscheinbar und natürlich. Welch ein Gegensatz zu dem reißenden Gebirgsstrom den ich so oft im Laufe des Tages erlebe. In dieser ruhenden Präsenz erfahre ich meine Seele, das subtile Bewusstsein, wie es auch genannt werden kann. Präsenz und Gleichmut vereinigen sich und lassen den unbändigen Wunsch aufsteigen, anderen Menschen ebenfalls Möglichkeiten für die innere Befreiung zuteil werden zu lassen.

Dankbarkeit steigt in mir auf, als die Meditation endet. Dankbarkeit für die Tatsache jeden Tag sitzen zu dürfen, jeden Tag die Freiheit zu bekommen, in den Strom der Welt einzutauchen. Ich bedanke mich bei all denen, die mir diese Erfahrungen ermöglicht haben: Unzählige Menschen, Heilige, Buddhas und Bodhisattvas, die unermüdlich darum kämpften gesellschaftliche und individuelle Freiheit zu verwirklichen. Auf diesen erhaben Schultern stehe ich nun und spüre wie sich der tiefe Wunsch entwickelt, ein hilfreiches Element für die nachkommenden Generationen zu sein. 

Die Meditation ist vorbei. Auch dieser Moment will wieder losgelassen werden. Weisheit und Mitgefühl.


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