Eine Frage an den Dalai Lama


Es war für mich eine glückliche Gelegenheit, dem Friedensnobelpreisträger und geistlichem Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, anlässlich einer viertägigen Vortragsreihe in Deutschland, eine Frage zukommen zu lassen, die mich sehr beschäftigt.

Unsere Frage an den Dalai Lama, die von Vajramala, der Vorsitzenden der Deutschen Buddhistischen Union, an seine Heiligkeit überreicht wurde, lautete:


„Wie lassen sich buddhistische Praktiken in den Lebenssalltag übertragen?“ 

S.H. Dalai Lama: „Bei der buddhistischen Praxis geht es einerseits vor allem darum positive Emotionen zu entwickeln, wie liebevolle Zuneigung, oder Anteilnahme gegenüber den Anderen, Mitgefühl mit den Anderen, eine positive Haltung und Emotionen zu entwickeln und eher negative, destruktive Emotionen zu verringern wie Hass, Feindseligkeit, Neid und Missgunst, Arroganz, etc. und diese zumindest zu reduzieren wenn nicht sogar ganz zu überwinden, was das letztliche Ziel ist.

Es geht also darum, auch im täglichen Leben die Praktiken anzuwenden mit denen wir diese positiven Emotionen stärken und die negativen reduzieren können.

Ein anderer Punkt der Praxis bezieht sich auf die Sichtweise der Realität. Und da hilft es sehr, wenn wir immer wieder diese Sicht des Abhängigen Entstehens uns vor Augen führen. Dinge die gut oder schlecht sind, existieren auf relative Art und Weise, nicht aus sich selbst oder absolut. Es ist auch gut, wenn wir die Kausalität bedenken, dass alle Ereignisse von vielen Ursachen und Umständen abhängig sind. Dadurch können wir eine mehr ganzheitliche Sicht der Realität entwickeln und das hilft uns ganz immens auch im Berufsalltag.

Die Religionen haben verschiedenen Ansätze um eine ganzheitliche Sicht zu entwickeln. Die theistischen Religionen glauben an einen Schöpfergott, der die Welt geschaffen, der den Menschen aber auch gleichzeitig einen freien Willen gegeben hat, das so auch eine größere Verantwortung für den Menschen selbst entsteht.

Die Buddhisten glauben nicht an einen Schöpfergott, sondern erklären, dass die Welt aus vielfältigen Ursachen und Umständen entstanden ist. Das heißt, man hat die Verantwortung für die entsprechenden Ursachen und Umstände für eine positive Entwicklung selbst zu setzen. Das sind verschiedene Konzepte, die aber eine starke praktische Relevanz haben.“




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