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Den Meisten von uns ist der Begriff "Raubtierkapitalismus" oder "Turbokapitalismus" geläufig. Wir spüren die Auswirkungen des Systems schließlich fast jeden Tag. Die kapitalistischen Prämissen sind uns von Kindesbeinen an verinnerlicht worden und so ist es für uns uns durchaus selbstverständlich, um einen Job zu konkurrieren, uns dem Kampf des Alltags zu stellen oder einfach nur unendlich viele Wünsche zu haben. In gewisser Weise ist dies unsere weltliche Basis.

Viele spüren nun ein Unwohlsein, wenn sie an den Kapitalismus denken. Es ist nichts, was man sich wünscht. Und es ist nichts, an dem man so richtig teilhaben möchte. Dennoch frisst er an unseren Nerven, Seelen und Kindern Tag für Tag.

Wie gut, dass es den Buddhismus gibt, könnte man sagen. Eine friedliche Meditation am Abend und ein sonntäglicher Besuch des Dharma-Zentrums - und schon schöpfe ich neue Kraft und neue Energie.

Wenn wir nun jedoch ein wenig tiefer analysieren, können wir feststellen, dass die Praxis und Bedeutung des Buddhismus durchaus von den traditionellen buddhistischen Normen abweicht und vielerorts für eine Form der postmodernen Selbstfindung genutzt wird. Es geht in einer individualisierten Gesellschaft darum, individuelle Erlösung zu finden - ein Konzept, dass sich mit dem Kerngedanken des Buddhismus erst einmal nicht so recht in Einklang bringen lässt. Für den Initiator des deutschsprachigen Netzwerks engagierter Buddhisten Franz-Johannes Litsch führt die unglückliche Vermischung des Buddhismus mit der Esoterik und einem New-Age-Lebensgefühl dazu, dass der Buddhismus vermehrt als exotischer Life-Style-Trip verstanden wird und nicht mehr als ernstzunehmende Psychologie und Philosophie. Viele Menschen benutzen so den Buddhismus, um sich angenehme Phasen einer Wellness-Verwöhnung zu gönnen.


Die vielleicht größte Gefahr dabei ist der Umstand, dass viele Menschen nun versuchen, inmitten eines explodierenden kapitalistischen Systems versuchen, einen absurden Zustand von inneren Frieden und Gelassenheit zu kultivieren, obwohl die äußeren Umstände eigentlich ein soziales Engagement erfordern. Anstatt also nun gegen soziale Ungerechtigkeiten vorzugehen, wird versucht, sich dieser Welt anzupassen - und der Buddhismus soll dazu helfen, indem er einem die nötige Ruhe und Gelassenheit spendet.

Ich bin mir nicht so sicher, ob das der Weg ist, auch wenn viele spirituelle Bestseller und spirituelle Lehrer genau darauf abzielen: Auf eine endlose Selbstbeschäftigung mit dem Selbst, auf eine völlige Fokussierung der inneren Welt.

Natürlich: Meditation ist für viele Menschen ab einem gewissen Zeitpunkt unerlässlich in ihren Leben. Meditation wirkt! Sie kann als ein goldenes Tor zur inneren Befreiung gesehen werden, als eine hocheffektive Möglichkeit, sich selbst und dadurch die Welt kennen zu lernen. Das ist unbestreitbar. Das ist ein guter Weg.

Dennoch kann eine einseitige Fixierung auf die innere Entwicklung des einzelnen Menschen dazu führen, dass wir einfach vergessen, dass wir soziale Menschen sind, eingebunden in einen unaufhörlichen Kreislauf, untrennbar verbunden mit den Phänomenen dieser Welt.

Doch durch unsere kulturelle Prägung sind wir es einfach gewohnt, es selbst zu machen. Schließlich wurde uns von klein auf eingetrichtert, dass der Schlüssel zum Glück in uns selbst liegt. Wer erfolgreich werden will, der muss sich eben anstrengen. Und genau diese Philosophie übertragen wir oftmals ganz selbstverständlich auf spirituelle Systeme. Heraus kommen Glaubenssätze wie diese:

- Ich muss nur oft genug meditieren, dann werde ich erwachen.
- Wenn ich erwacht bin, ist alles gut. (Der spiritueller 6er im Buddha-Lotto).
- Es liegt an mir, dass ich noch nicht so weit bin.
- Ich schaffe es einfach nicht.
- Was soll ich nur machen?

Eines wird an diesen Glaubensmustern deutlich: Es spricht die Kultur durch uns. "Ich" muss es schaffen. "Ich" muss mich anstrengen." Es liegt an "mir", ob ich erwache oder nicht.

Doch um was geht es denn wirklich? Geht es nicht einfach darum, dass wir versuchen durch innere Arbeit eine äußere bessere Welt zu schaffen? Und ist es nicht eher so, dass wir für unsere innere Arbeit ganz unbedingt die äußere Welt benötigen in Form von: einem hämmernden Grünspecht, einem kristallklaren Bach, einem harmonischen Dorfleben, einem kreativen Stadtleben, einer guten Beziehung zu unseren Nachbarn, einer freundlichen Geste zu unserem Obstverkäufer?

Und ist es nicht vielleicht auch so, dass wenn uns die Welt anlächelt, wir ganz automatisch ebenfalls anfangen zu lächeln? Und fängt Meditation vielleicht auch dann erst an, wenn ich von der Gewissheit getragen werde, Teil einer gesunden Gesellschaft zu sein? Teil eines engagierten Netzwerkes. Teil eines unendlich Größerem, das mich allzeit trägt und von mir getragen wird?

Ein grundlegender Wunsch des Buddhismus ist es, anderen Menschen zu helfen. Und dies beginnt im kleinsten Moment. Ein Lächeln und ein aufmunterndes Wort einem anderen Menschen gegenüber ist zum Beispiel ein konkretes Beispiel dafür. Und es beginnt damit, dass wir uns selbst lieben lernen und diese Liebe auf andere Menschen übertragen. In kleinen Schritten. Auf Freunde und Partner. Auf Nachbarn und Kollegen. Auf fremde Verkäufer und unbekannte Obdachlose. Auf Bankdirektoren und Diktatoren.

Und genau so können wir die Rezitation verstehen, die viele Buddhisten vor ihrer Meditation anwenden:

Mögen alle Wesen glücklich sein und die Wurzeln des Glücks erfahren.
Mögen alle Wesen frei von Leiden sein und von allen Ursachen des Leids.
Mögen sie in großem Gleichmut verweilen, frei von Gier und Hass, nicht nah den einen und den anderen fern.

Es geht also gar nicht nur darum wie wir meditieren, sondern auch warum wir meditieren: Geht es ausschließlich um uns, oder dient unsere Meditation und spirituelle Praxis ganz konkret auch dazu, anderen Menschen und Tieren ein glückliches Leben zu ermöglichen?


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