Wie ändere ich nur meine Gewohnheiten?

Heute wurde ich mit einer interessanten Frage konfrontiert: „Wie kann ich hinderliche Gewohnheiten los werden und Mäßigung lernen? Wie höre ich auf meine innere Stimme wirklich?“
Viele Menschen kennen das: Wir sitzen vorm Internet, genießen den Austausch mit anderen, sind zufrieden mit unserer Arbeit und ab einem gewissen Punkt wissen wir eigentlich: Jetzt reicht es, ich hab genug im Internet gesurft, meine Aufgaben sind erledigt.

Nur: An diesem Punkt lösen wir uns nicht vom Internet und auch wenn wir wissen, dass wir es später bereuen werden, machen wir einfach weiter und geben uns unseren Gewohnheiten hin.
Was also können wir tun? Meistens bemerken wir ja den „Stopp-Punkt“ ganz genau und wissen: Jetzt sollte ich etwas anderes machen. Jetzt ist es genug. Doch wie setze ich dieses Wissen auch um? Wie integriere ich es in mein Leben?
Gewohnheiten sind erst einmal neutral. Es sind einfach nur Gewohnheiten. Schwierig wird es nur, wenn wir nicht mehr mit ihnen zufrieden sind und wenn wir beginnen, unter ihnen zu leiden. Wenn wir also Gewohnheiten haben, die wir nicht mehr möchten, wäre es eine Möglichkeit, neue Gewohnheiten zu etablieren, die uns zu mehr Zufriedenheit verhelfen. 
Hilfreich ist dabei zu verstehen, wie wir aus gehirnphysiologischer Sicht funktionieren: Durch Gewohnheiten bilden wir so etwas wie „Straßen“ in unserem Gehirn aus. Je öfter wir also etwas ausführen, umso breiter und stabiler wird diese Straße, bis wir schließlich über richtige Autobahnen in unseren Köpfen verfügen. Kommt nun eine Situation, die wir kennen, fahren wir sofort auf diese Autobahn - eine alte Gewohnheit breitet sich aus.

Wenn wir also bemerken, dass wir an dieser Autobahn-Gewohnheit leiden, können wir neue Straßen bauen. Wir können stehen bleiben und von der Straße abbiegen. Das ist jedoch in den meisten Fällen kein leichtes unterfangen. Am Rande der großen Straße blüht nämlich ein großer, durchwachsener Dschungel. Wenn wir nun eine neue Straße, also eine neue Gewohnheit, etablieren wollen, müssen wir beginnen, eine Bresche in diesen Dschungel zu schlagen. Das ist harte Arbeit. Und was noch härter ist: Wenn wir nicht regelmäßig diese Bresche erneuern, wird dieser neue kleine Pfad ganz schnell wieder zuwachsen. 

Aus wissenschaftlicher Sicht dauert es ungefähr 6-8 Wochen täglicher Arbeit, bis eine neue Struktur im Gehirn festzustellen ist. Solange müssen wir mit einer rostigen Machete Breschen in den Dschungel schlagen. Da führt erstmal kein Weg daran vorbei.
Was also sind deine Gewohnheiten? Und welche Breschen willst du schlagen? Wie kannst du dich aus deinen Gewohnheiten reißen? Im Umfeld von Thich Nhat Hanh wurde speziell für das Problem des Internets eine Software entwickelt: Stillness Buddy. Diese Software lässt sich so einstellen, dass sich in regelmäßigen Abständen der Computer blockiert und wir so die Gelegenheit bekommen, Achtsamkeit zu praktizieren und uns gewahr darüber werden, was wir eigentlich im Moment so gerade unternehmen. Für mehr Informationen: https://www.stillnessbuddy.com/

Eine weitere achtsame Hilfestellung bietet zum Beispiel ein MBSR-Kurs, in dem man wirklich gut lernen kann, sich und sein Verhalten im Alltag zu beobachten.
Wir können also sagen, dass es darum geht, neue Straßen zu bauen. Mithilfe unserer Kreativität und der Hilfe anderer, können wir die durchaus mühselige Arbeit aufnehmen, um neue Gewohnheiten zu entwickeln, die uns dabei helfen, ein zufriedenes und achtsames Leben zu führen. 

Ganz hilfreich dabei: "Erkennen - Nicht-Tadeln - Ändern". Denn es ist so leicht, sich zu verurteilen und gleichzeitig so schwer, sich zu verändern. Ich sehe es an mir selbst, wie schwer es ist, am richtigen Zeitpunkt dem Computer good-bye zu sagen. Es ist wirkliche eine Schritt-für-Schritt-Situation, in der jeder Fortschritt begrüßt und jeder Nicht-Fortschritt mit einem mitfühlenden Herzen begegnet werden sollte.

P.S. Während ich das schreibe, ruft mein 3jähriger Sohn, dass ich endlich vom Computer weg gehen soll, damit ich endlich mit ihm spiele und nicht meinem iMac. 


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