Geh den Pfad nicht nur für dich

Spirituelle Pfade zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie begangen werden. 
Und dies hat weitreichende Konsequenzen - für dich, für mich, für unsere Kinder und Kinderskinder.


Was passiert wenn ein Pfad nicht mehr begangen wird? Genau. Es dauert nur kurze Zeit und schon fängt die Natur an, sich ihn wieder einzuverleiben. Er wuchert zu, wilde Pflanzen sprießen und ehe man es sich versieht, ist dieser Pfad in Vergessenheit geraten.


Heute nehmen wir alles so selbstverständlich hin. Als ob es schon immer so war und immer so sein wird. Ich meine damit den spirituellen Marktplatz, mit seinem enormen Angebot an authentischer Spiritualität. Woche für Woche habe ich die Auswahl zwischen den verschiedensten spirituellen Lehrern - seien es amerikanische Zen-Meister, tibetische Rinpoches oder auch Lehrer aus anderen spirituellen Traditionen und Religionen.
Und wir als westliche Menschen stehen vor der Verlockung diese vielen Angebote als weiteren aufregenden Teil unseres Life-Styles zu integrieren. Ein tiefgehender Workshop am Wochenende, ein kleines Retreat im Sommer bei einem tibetischen Lama und vielleicht sogar ein Dakini Treffen im Himalaya im Herbst... es hat den Anschein, als dass wir auch im spirituellen Sektor fleißige Konsumenten wären.


Doch geht es wirklich in erster Linie um uns? Ich habe da meine Zweifel. Wenn ich mir die Magazine durchblättere und mir die vielen bunten spirituellen Angebote ansehe, kommt es mir vor, als ob die Meisten von ihnen auf unser "ich" abzielen: Wie kann ich diese oder jene authentische Erfahrung machen? Wie kann ich erwachen? Wie kann ich mein volles Potential ausschöpfen? 
Selten höre ich von einem Workshop oder Retreat, dass es sich zur Aufgabe macht, die kulturellen Aspekte in den Vordergrund zu stellen: Wie kann die Essenz der Spiritualität erhalten bleiben in einer postmodernen Welt? Wie können wir sicher stellen, dass unsere Nachkommen die Gelegenheit zu Wachstum und Transformation erhalten? Wo stehen wir eigentlich als Weltgemeinschaft? Und wie kann ich dazu beitragen den krisenhaften kulturellen Prozess unserer Zeit zu unterstützen?


Wenn wir nicht aufpassen, werden die alten spirituellen Pfade von dem Müll der heutigen Zeit überwuchert. Wenn wir nur um unser eigenes Wohl, um unsere persönliche Erleuchtung bemüht sind, laufen unsere nachfolgenden Generationen in die Gefahr, lediglich eine verwässerte, unzureichende Spiritualität vorgesetzt zu bekommen. 
Wenn die alten Meister gestorben sind und keine neuen nachgewachsen - wer soll das Licht des Erwachens weiter tragen? Darum meine ich - es kommt gar nicht so sehr auf uns und unser Wachstum, unsere Erleuchtung und unser Erleben an. Genauso bedeutsam ist es meiner Ansicht nach, Strukturen zu schaffen, die die Spiritualität fest in unsere Gesellschaft und Kultur integrieren und verankern. Denn nur so wird sie die heftigen Weltstürme überdauern und noch vielen, vielen Menschen nach uns von immensen Nutzen sein.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen