Wer bin ich und wer bist du?

Wenn ich auf einer Sommerwiese liege und die Sonne genieße, die auf meine Haut scheint - welche Gedanken und Gefühle kommen in mir hoch? Sind es meine Gedanken und Gefühle? Oder gehören sie der Sonne und der Blumenwiese?
Wenn ich in einer Supermarktschlange stehe und die Ungeduld und Hektik in mir und meinen Mitmenschen wahrnehme - ist es dann meine Ungeduld und meine Hektik?
Das Lachen eines Kindes, dass mein Herz erfreut - wem gehört das erfreute Herz?

Wenn ich wahrnehme, wie sehr mich die Bedingungen um mich herum bestimmen - wie kann ich da sagen, es sind meine Gefühle, die ich fühle? Das Einzige, das ich mich Sicherheit sagen kann ist, dass es diese und jene Gefühle und Gedanken gibt. Doch ich kann nicht behaupten, es wären meine Gefühle und Gedanken. Ändert sich die Situation, ändern sich meine Gefühle und dadurch meine Handlungen und Aktionen. Und dadurch mein Leben. Und dein Leben. Und das unserer Kinder und Enkelkinder.
Wenn ich meinen Atem nicht wahrnehme, bin ich lediglich ein Spielball meiner äußeren Bedingungen - wenn es regnet lasse ich mich von grauen Gedanken und Gefühlen regieren. Und wenn die Sonne scheint und ich mich in der Blumenwiese vom sanften Wind berühren lassen kann, dann werde ich eben von freudigen und strahlenden Gedanken und Gefühlen bestimmt. Mein Leben ist das eines Sklaven - unfrei und voller Leid.

Wer bin ich also im Rauschen des Windes und in der Hitze der sommerlichen Stadt? Wer bin ich, wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin und wer bin ich allein auf der Spitze eines 2000 Meter hohen Berges?



Wenn ich tiefer blicke und mir ansehe, wer ich eigentlich bin und aus was ich bestehe, kann ich die unendliche Schönheit des Universums umarmen. Aus dieser Perspektive heraus kann ich erkennen, dass es die unzähligen Bedingungen um mich herum sind, die mich ausmachen, mich definieren und mir einen Namen geben.

Ich bin die schwindelerregende Höhe des Berges und die steile Felsschlucht. Ich bin die Hitze der Stadt und das prall gefüllte Leben der unzähligen urbanen Betonbauten. Ich bin das lachende Kind und der weinende alte Mann. Alles macht mich aus und es macht keinen Sinn, sich auch nur von dem kleinsten Aspekt der Welt zu distanzieren. Ich bin eine Manifestation der Erde und des Universums. Das Klagen der chinesischen Wanderarbeiter und das stille Vibrieren des amerikanischen Mönches spiegeln sich in jedem meiner Schritte. Jeder meiner Atemzüge ist verbunden mit dem Glockenläuten der Kühe, mit dem Streiten der Menschen, mit dem Aufgehen der Sonne und des Untergehens des Ego. Wer bin ich also und wer bist du?





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1 Kommentar:

  1. Anonym17:31

    vielen dank für diesen Text der mich eben berührt hat.
    Ich gebe ihn direkt weiter, um alle die ihn lesen zu berühren.

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