Das Erwachen in einer leuchtenden Pop-Kultur

Wir praktizieren den Buddhismus mit dem Hintergrund unserer jüdisch-christlichen Kultur, ob es uns nun gefällt oder nicht. Das heißt, wir haben Konzepte wie „Erbsünde“ und „Schuld“ tief in uns verinnerlicht. Es sind unsere archetypischen Muster und unsere unbewussten Prägungen, die uns in vielen entscheidenden Bereichen unseres Lebens leiten. 

Aus dieser kulturellen Einbettung heraus, interpretieren und praktizieren wir auch den Buddhismus. Das heißt, wir picken uns diejenigen Inhalte heraus, die für unser kulturelles Verständnis von Bedeutung sind und ignorieren gerne die Dinge, die zwar wesentlich für einen ganzheitlichen Buddhismus sind, jedoch nicht ganz zu unserem kulturellen Lebensgefühl gehören. Dazu gehört zum Beispiel der Fokus auf die Meditation: „Ich“ muss mich verbessern und steigern. "Ich" muss tiefer in die Versenkungsstufen eintreten. "Ich" möchte erleuchtet werden.

Gerade an diesen Beispielen können wir schön gut erkennen, wie sehr wir die westliche Denkweise verinnerlicht haben. Wir denken linear und leistungsbezogen. „Ich“ muss nur lange genug meditieren und dann bin ich erleuchtet. So als ob es das Erwachen eine Leistung des „Ich“ wäre und dieses an dem Erwachen maßgeblich beteiligt ist.

Wenn wir nun versuchen, einen ganzheitlich-buddhistischen Ansatz zu praktizieren und eine Bereitschaft aufbauen, tief nach innen zu schauen, ergibt sich eine überpersönliche Einstellung, die uns dazu verhilft, über den „eigenen Tellerrand“ zu blicken und eine erweiterte Perspektive einzunehmen. Wenn wir eine weltzentrische Perspektive einnehmen und bereit sind, unsere persönlichen Schwächen genauer anzusehen und zu transformieren, entstehen erstaunliche Dinge. Plötzlich ist es nicht mehr wichtig, ob und wann wir die Erleuchtung erlangen. 

Das eigene Wohl, das sich eben auch oftmals in der Suche nach der Erleuchtung ausdrückt, wird nicht mehr so wichtig. 

Viel wichtiger wird es, den Kindern und Nachkommen eine gesunde Erde zu hinterlassen. Eine Erde, die ihnen die Möglichkeit bietet, ihren eigenen spirituellen Weg zu gehen - ohne die Sorge im Nacken haben zu müssen, am Rande einer Apokalypse zu leben.
Wenn wir uns also das nächste mal fragen, woher dieser innere, unbändige Drang nach Befreiung kommt, finden wir die Antwort vielleicht im Bewusstsein eines neuen kulturellen Aufbruchs. 



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