Dharma 2.0

Im Herbst 2010 besuchte ich den Jahreskongress der Deutschen Buddhistischen Union in Berlin. Zweieinhalb Tage drehte sich alles darum, welche Rolle und welche Formen der Buddhismus angesichts der ökonomischen Herausforderungen bestreiten könnte. Eines der zentralen Dinge, die ich von diesem Workshop mitnahm, war die Erkenntnis, dass nur wenig jüngere Menschen auf diesem Kongress zu finden waren. Das Durchschnittsalter der Anwesenden lag um die fünfzig Jahre, die meisten von ihnen mit 20 oder 30 Jahren Meditationserfahrung. Es herrschte eine bedachte, kluge Atmosphäre. Doch wo waren die jungen Leute? 

Eine junge Teilnehmerin war diesbezüglich der Ansicht, dass die momentane Form des Buddhismus einfach nicht sexy genug sei. Sie ist traditionell, altehrwürdig und tief. Doch sie ist nur manchmal in den social media zu finden und sie kommuniziert nicht in der Sprache von Generation Facebook. Sie findet keine wirkliche Brücke zu den jüngeren Leuten.
Ich denke, wenn der Buddhismus ein Teil unserer Kultur werden soll, brauchen wir neue Formen des buddhistischen Miteinanders. Formen, die den Umständen der Zeit entsprechen, denn wie sonst, will die buddhistische Lehre die kommenden Generationen nachhaltig erreichen?

Was wird sich dabei unterscheiden zwischen der ersten und der zweiten und dritten Generation von Buddhisten in den westlichen Ländern? Das Wunderbare ist ja, das Generationen lernen. Wir können deutlich erkennen, was in der vorherigen Generation nicht so gut gelaufen ist. Und diese Fehler und Irrwege müssen wir nicht noch einmal begehen. Die erste Generation westlicher Buddhisten, die etwa vor 30, 40 Jahren begann, den Dharma zu praktizieren, lehnte sich fast vollständig an fremde, asiatische Kulturen an. Man wurde förmlich ein Tibeter, wenn man sich entschloss den tibetischen Buddhismus zu praktizieren. Die eigene Kultur wurde oft genug ausgeblendet, sie hatte in diesem Selbstfindungsprozess nicht viel beizusteuern. In gewisser Weise war es eine Phase der Abkapselung und Neuorientierung. Irgendwie musste alles in Frage gestellt und abgelehnt werden und ein asiatisches religiöses System bot sich da gerade zu an, die vielen Sehnsüchte einer ganzen Generation zu versinnbildlichen. 

Doch die Welt hat sich weitergedreht. In der heutigen Zeit steht nicht mehr derselbe Drang nach Selbstfindung im Raum, wie noch vor dreißig Jahren, wo man sich - in der Regel finanziell gut abgesichert - daran machen konnte, neue spirituelle Wege zu entdecken. Heute breitet sich in der jungen Generation die schmerzhafte Erkenntnis aus, dass ein grundlegender Wandel ansteht, wenn wir die Zerstörung unserer Lebensgrundlage abwenden wollen. Heute werden wir mit dem Tod einer ganzen Zivilisation konfrontiert und das ändert die Dinge ein wenig. Statt der ekstatischen Aufbruchstimmung der 70er Jahre, ist es nun an der Zeit einmal zu betrachten, was funktioniert und was nicht im westlichen Buddhismus. 

Wo wollen wir anknüpfen und welche Schwerpunkte wollen wir legen? Und wie kann uns die Lehre des Buddha in dieser schwierigen kollektiven Phase nützlich sein? Für jeden von uns? 

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