Die Zukunft des Buddhismus

Nach einigen Jahren der buddhistischen Feldforschung, in denen ich Dutzende Interviews und Gespräche geführt und viele buddhistische Zentren und Workshops besucht habe, komme ich zu der Einsicht, dass die meisten westlichen Menschen keinen wirklichen Zugang zum Buddhismus finden. Er ist ihnen schlicht zu kulturfremd. Die überwiegende Mehrheit der westlichen Bevölkerung möchte keine 100-silbigen-Mantras chanten und keine tantrischen Rituale durchführen. Sie möchte keinem tibetischen Rinpoche folgen und keine Räucherstäbchen opfern. 

Der Besuch eines buddhistischen Zentrums verlangt jedoch vielerorts die Bereitschaft, sich auf eine Reihe von kulturfremden Ritualen einzulassen. Zu Beginn wird oft ein Mantra gechantet, es gibt Verbeugungen und Zufluchtnahme, wir begegnen fremdländische Statuen von Gottheiten und Buddhas (die im Übrigen zu 99% männlich sind). Doch was macht das mit uns, wenn wir uns dem Buddhismus nur in einer exotischen asiatischen Form annähern können? 

Der Initiator des deutschsprachigen Netzwerkes engagierter Buddhisten Franz-Johannes Litsch schreibt über diesen Umstand: „Viele Menschen im Westen eignen sich heute mit großer Hingabe asiatisch-buddhistische Sicht- und Verhaltensweisen an, ja wandern geradezu innerlich in östliche Kulturen aus, ohne die eigene Kultur wie auch die andere ernsthaft zu kennen. Umgekehrt denken, fühlen, handeln dieselben weiter in der abendländisch griechisch-jüdisch-christlichen Kultur, ohne sich dessen bewusst zu sein und sich damit auseinander zu setzen. Ohnehin sind sich die allermeisten Menschen ihrer tiefgreifenden Kulturgeprägtheit kaum bewusst.“

Wie geht es also weiter mit dem Buddhismus im Westen? Der Dalai Lama ist der Ansicht, dass man den Buddhismus auf zwei verschiedene Weisen praktizieren kann.

1. "Zum einen kann man die Lehren im Sinne des Buddhismus so offen und umfassend wie möglich weitergeben, ohne Anspruch auf Ausschließlichkeit oder das Anliegen, jemanden konvertieren zu wollen, um Menschen überall zu dienen, unabhängig von ihrem Hintergrund oder Glauben. Da das Herz des Buddhadharma, die essentielle Sicht, so praktisch, einfach und doch tiefgründig ist, kann es das Verständnis eines jeden bereichern und vertiefen, egal, welchem spirituellen Weg er oder sie folgt. 

2. Die zweite Möglichkeit ist, die Lehren für diejenigen zu präsentieren, die ein ernsthaftes Interesse daran haben, dem Dharma zu folgen, so dass sie einen vollständigen und gründlichen Pfad verfolgen können, welcher Tradition sie auch angehören.

Was ist nun das Verhältnis zwischen diesen beiden? Das erste kann ohne das zweite nicht geschehen. Wir dürfen nie vergessen, dass die Einzigartigkeit und die große Stärke des Dharma darin liegt, dass es ein vollständiger spiritueller Pfad mit einer reinen, lebendigen Linie ist, ungebrochen bis zum heutigen Tag, und wenn wir das verlieren, verlieren wir alles." (Zitat von Sogyal Rinpoche).

Wir brauchen also beides - die traditionelle Form, die die Essenz des Dharma bewahrt und für die zukünftigen Generationen weiterreicht. Und die moderne Form, die versucht, sich in die Gesellschaft zu integrieren und Teil von ihr zu werden.

_()_


1 Kommentar: