Tradition und Frauen - this is not a lovesong

Die ambivalente Haltung des Buddhismus Frauen gegenüber ist weithin bekannt. So werden im Pali-Kanon die Nachteile einer Frau mit Jähzornigkeit, Doppelzüngigkeit, ein gefährliches Gift besitzend, Boshaftigkeit und Treulosigkeit gegenüber Freunden benannt.

Zugleich ließ sich Buddha aber auch von Ananda, der dem Buddha als Aufwärter diente, mittels seiner eigenen Logik davon überzeugen, dass Frauen genauso wie Männer die Erleuchtung erlangen können und gestattete ihnen deshalb, einen Frauenorden zu gründen. Diese Erlaubnis geschah jedoch nur sehr widerwillig und der Buddha ließ es sich nicht nehmen in diesem Zusammenhang zu prophezeien, dass dadurch seine Lehre nun schon nach 500 Jahren und nicht wie ursprünglich gesehen, erst nach 1000 Jahren verschwinden würde. Auch verordnete er, dass die Nonnen sich den Mönchen unterzuordnen hatten, wie es sich im achten Gurudhamma zeigt. Dort geschrieben, dass eine Nonne, auch wenn sie bereits 100 Jahre alt ist, einem Mönch gegenüber alle ihn zustehenden Ehren erweisen muss: Sie soll ihn mit aneinander gelegten Händen begrüßen, sich vor ihm verneigen und dabei angemessene Begrüßungsworte sprechen. 

Wir sehen, selbst ein Buddha ist nicht frei von zwiespältigen Gefühlen, beziehungsweise ist nicht gefeit gegen kulturelle Grundsätze, denn zu seiner Zeit war es mit den Rechten einer Frau noch sehr schlecht bestellt. Diese Ambivalenz gegenüber der Gleichberechtigung zwischen einem Mönch und einer Nonne ist jedoch bis heute erhalten geblieben. Viele buddhistische Nonnen in Indien beklagen sich, dass sie zu mehr oder weniger stumpfsinniger Ritualarbeit abgetan werden, während den Mönchen die tieferen Einweihungen vorbehalten sind. Auch ist die Tradition des buddhistischen Frauenordens in der Theravâda Tradition verloren gegangen. 

Umso erfreulicher jedoch war es, als am 22. Oktober 2009 es zu einer vollen Ordination von Frauen innerhalb des Theravâda Buddhismus kam. Der bekannte Mönch Ajahn Brahm, der das Kloster Bodhinyana in Australien leitet, anerkannte feierlich diese Ordination. Auf einer Mönchsversammlung ein paar Tage später, wurde er jedoch aufgefordert, die Bestätigung der Nonnenordination als nichtig zu erklären. Als Ajahn Brahm dieser Aufforderung nicht entsprach, kam es zum Ausschluss des Klosters aus dem Orden.

Den meisten von uns ist bewusst, dass sich auf dieser Grundlage der Buddhismus nicht in den Westen übertragen lässt, da er unseren westlichen Grundwerten nicht entspricht. In den letzten Jahrhunderten haben viele Menschen in den westlichen Ländern darum gekämpft, Sozialreformen, Demokratie, Wissenschaft, Menschenrechte und Gleichberechtigung einzuführen. Diese Werte sind ein wesentlicher Bestandteil unserer kulturellen Identität und können nicht einfach über Bord geworfen werden, zumal sie ja wichtige und sinnvolle Werte darstellen. Wenn ich als westlicher Mann Zuflucht in einen orthodox-traditionellen Theravâda-Orden nehme, muss mir bewusst sein, dass ich auch Zuflucht zu einer Unterdrückung der Frau nehme. Ich kann diese Dinge meines Erachtens nicht trennen. Wenn ich Zuflucht innerhalb einer tradierten Form nehme, kann ich mir nicht diejenigen Stücke herauspicken, die mir gefallen oder bei bestimmten Punkten einfach die Augen verschließen.

Bei einer kritischen Durchleuchtung des traditionellen Buddhismus fällt also auf, dass die Inanspruchnahme, alleinige Autorität zu sein, nicht zu halten ist. Jede Tradition weist ihre Stärken und ihre Schwächen auf und jede Tradition sieht sich der Gefahr gegenüberstehen, zu einer veralteten Institution zu erstarren, die den Wandel der Zeit nicht anerkennen möchte. Diesen Umstand sollten wir im Westen berücksichtigen, wenn wir die traditionellen Formen des Buddhismus integrieren: Einerseits bieten sie uns einen unschätzbar wichtigen Zugang zu den Lehren des Buddha und eine ausgefeilte, über Jahrtausende gewachsene Interpretation des Buddhismus. Andererseits weist eine Tradition auch immer kulturelle Rückstände auf, die mit der Essenz der buddhistischen Lehre nicht unbedingt etwas zu tun hat.


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1 Kommentar:

  1. umso mehr sind Frauen wie Yeshe Tsogyal, Mandarava, Sukhasiddhi, Niguma, Machig Labdrön und weitere in früheren Zeiten, aber auch Ayu Khandro, Tsültrim Allione oder I.E. Sakya Jetsunma Kushog Chimey Luding u.a. zu schätzen, die alle Gründerinnen oder Trägerinnen von vollständiger Dharma-Traditionen waren bzw. sind...

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