Meditation als ein Weg aus der inneren Krise


Durch die verschiedenen Formen der Meditation können wir lernen, unsere tiefsitzenden Konditionierungen zu beobachten. Aus psychologischer Sicht ist es so, dass unser Gehirn nicht die Aufgabe hat, die Realität so wahrzunehmen wie sie ist. Vielmehr schafft unser Gehirn aus den unzähligen Reizen, mit denen wir sekündlich konfrontiert werden, eine Welt die für uns einen Sinn ergibt. Durch unsere Erziehung, unsere Erfahrungen und unserer Kultur, lernt unser Gehirn, bestimmte Dinge in unser Bewusstsein zu lassen und andere nicht. Egal was wir sehen und erleben - es läuft immer durch den Filter unseres inneren Zensors. Es wird sozusagen aus einer inneren Instanz heraus entschieden, was in unser Bewusstsein dringen darf und was nicht. All unsere Gefühle, Gedanken und Emotionen sind lediglich das Resultat unserer Erlebnisse und Erfahrungen. Im Umkehrschluss bedeutet dass aber auch, dass ein Blick auf die Wirklichkeit uns erst einmal nicht möglich ist, da wir die Welt immer durch einen subjektiven Filter wahrnehmen. In unseren unachtsamen Momenten sind wir darum nichts weiter als „Reiz-Reaktions-Roboter“: Sobald uns ein bestimmter Reiz erreicht, lassen wir uns von unseren unbewussten Neigungen und Konditionierungen leiten. 


Unser Gehirn baut sich auf diese Weise eine eigene Vorstellungswelt auf, die mit der so genannten Realität nur entfernt zusammen hängt. Wenn wir zum Beispiel einen Gegenstand sehen, sagen wir mal einen Apfel, dann nehmen wir diesen Apfel, so wie er da tatsächlich liegt, nur zu einem Drittel wahr. Die restlichen zwei Drittel unserer Wahrnehmung speisen sich aus all unseren Erinnerungen und Erfahrungen, die wir mit einem Apfel jemals hatten. So geht es uns auch mit allen anderen Phänomenen. Jeden Mensch, dem wir begegnen, nehmen wir nur zu einem Drittel wahr! Der Rest - all unsere Gedanken und Gefühle - speisen sich aus Erinnerungen, die in unserem Kopf aktiviert werden.
Durch Meditation können wir uns dieser inneren Prozesse gewahr werden. Wenn wir einem Freund oder einem Apfel begegnen, können wir lernen wahrzunehmen, welche Gefühle und Gedanken aktiviert werden. Dadurch müssen wir nicht mehr unwillkürlich darauf reagieren! Durch einen achtsamen und meditativen Umgang mit uns selbst gewinnen wir unsere innere Freiheit zurück, indem wir lernen, Abstand zu nehmen zu unseren inneren Vorgängen - wir können selbst entscheiden, was wir denken und fühlen wollen! 
  • Meditieren bedeutet auch, zu lernen sich zu beobachten. Welche Situation löst welche Gedanken aus? Wo reagiere ich immer gleich? Wann neige ich zu explodieren und wann zu resignieren? Aus wissenschaftlicher Sicht helfen uns schon 20 Minuten Meditation am Tag, um aus diesen eingefahren Mustern aussteigen zu können.
Wir können beobachten, wie äußere Situationen in uns Gedankenspiralen auslösen. Wenn zum Beispiel eine Freundin oder unsere Eltern eine spitze Bemerkung machen, denken wir vielleicht "warum hat sie mich verletzt", oder "sie liebt mich nicht." In der Regel sind wir diesen Gedanken ausgeliefert, das heißt, wir reagieren sofort auf diese Gedanken, indem wir uns den Gefühlen hingeben, da sie in uns entstehen. Wir beginnen uns traurig zu fühlen verletzt, oder werden wütend. Dieser unbewusste Prozess vollzieht sich dutzende Male am Tag. In uns entstehen fortwährend Gedanken und Gefühle, die unser Handeln bestimmen und die lediglich unbewusste Antworten auf äußere Reize darstelle. 
Im Dhammapada, einem der bekanntesten Texte des Pali Kanon, heißt es nicht ohne Grund: „wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht in unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich oder handele mit reinem Geist - und Glück wird dir folgen. Wie ein Schatten, unerschütterlich.“


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