Die Verkörperung deiner spirituellen Praxis

 Nicht wenige buddhistisch Praktizierende haben eine sehr geteilte Meinung zu ihrem Äußeren und meinen Buddhismus würde bedeuten, komplett der Welt der Phänomene zu entsagen. Doch bedeutet Buddhismus tatsächlich, keinen Wert auf das Äußere zu legen?

In ihrem Buch Aus Liebe zu allen Wesen schildert die Nonne Chan Khong, wie Thich Nhat Hanh ihr in ihrer Jugend davon abriet, ihre schönen, langen Haare abzuschneiden. Unsere innere Schönheit darf sich ruhig in unserer äußeren Schönheit manifestieren. Wir sollten uns vor Augen halten, dass der Buddha den Mönchen und Nonnen andere Richtlinien vorgab als uns kreativen Bodhisattvas. Wenn wir keine Mönche und Nonnen sind, ist es nicht unsere Aufgabe, uns die Köpfe kahl zu scheren und dem irdischen Dasein zu entsagen. 

In meiner Familie wurde sehr wenig Wert auf Kleidung gelegt. Es ging einzig darum, günstige Sachen zu finden, die relativ haltbar waren. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, wie sich diese Einstellung bei mir auch in anderen Lebensbereichen widerspiegelte. Es war, als ob ich es nicht wert wäre, Sachen anzuziehen, nur um der Freude wegen. Doch wenn wir das Leben nur auf zweckdienliche Phänomene reduzieren, kann es passieren, dass wir uns selbst unnötig beschneiden. 
 Natürlich spricht nichts dagegen, uns asketisch zu kleiden, wenn wir der Meinung sind, dies entspreche unserem Inneren. Doch wenn wir insgeheim der Ansicht sind, ein buntes afrikanisches Kleid würde besser zu uns passen, sollten wir nicht in eine graue Robe schlüpfen. Es geht nicht darum, dass wir uns verkleiden, sondern darum, dass wir uns authentisch verkörpern. Wir können mit einem maßgeschneiderten Anzug wirkungsvoll als kreative Bodhisattvas in der Welt agieren (wenn wir uns darin wohlfühlen) – und wir können in einer Mönchsrobbe grandios scheitern.
  • Unsere Kleidung kann ein Ausdruck unserer Liebe zu uns selbst sein. Es geht dabei nicht darum, sich in der Welt der Phänomene zu verlieren, sondern die Balance zu halten zwischen innerer Arbeit und äußerer Verbundenheit.

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