Was ist ein kreativer Bodhisattva?

Nachdem wir im letzten Post den Begriff „iBuddhismus“ näher betrachtet haben, möchte ich heute eine Vorstellung davon geben, was ich eigentlich mit „Kreative Bodhisattvas zwischen Facebook und Hingabe“ meine.
Für den Meditationsmeister Nyoshul Khenpo machen es die globalen Umstände unabdingbar, dass wir spirituelle Entwicklung nicht länger für Luxus halten, sondern sie als unerlässlich für unser aller Überleben erkennen.
Seiner Ansicht nach besteht der edelste Beitrag des Mahayana-Buddhismus zur spirituellen Weisheit des Menschen in dem Verständnis und der tatkräftigen Umsetzung des Bodhisattva-Ideals.

„Bodhisattvas nehmen das Leid aller fühlenden Wesen auf sich und unternehmen die beschwerliche Reise zur Erleuchtung nicht allein für ihr eigenes Wohl, sondern um allen anderen zu helfen. Nachdem sie Befreiung erlangt haben, fliehen sie nicht vor den Schrecknissen von Samsara oder lösen sich im Absoluten auf, sondern erscheinen freiwillig wieder und wieder, um ihre Weisheit und ihr Mitgefühl dem Dienst an der ganzen Welt zu widmen. Unsere Welt braucht nichts dringender als diese aktiven Diener des Friedens: Menschen, die - wie Longchenpa es ausdrückte - "die Rüstung der Geduld tragen", die der Vision der Bodhisattvas und der Verbreitung der Weisheit in alle Bereiche unserer Erfahrung verpflichtet sind.Wir brauchen Bodhisattva-Rechtsanwälte, Bodhisattva-Künstler und -Politiker, Bodhisattva-Ärzte und -Wirtschaftsexperten, Bodhisattva- Lehrer und -Wissenschaftler, Bodhisattva-Techniker und -Ingenieure, Bodhisattvas in allen Bereichen, die auf jeder Stufe und überall in der Gesellschaft bewusst als Kanäle des Mitgefühls und der Weisheit wirken, die daran arbeiten, ihr Bewusstsein und ihr Handeln sowie das anderer zu verwandeln, die in der Gewissheit, von den erleuchteten Wesen unterstützt zu werden, unermüdlich für die Bewahrung unserer Welt und für eine bessere Zukunft arbeiten. Wie Teilhard de Chardin sagte: "Wenn wir eines Tages den Wind, die Wogen, die Gezeiten und die Schwerkraft in den Griff bekommen haben... . . werden wir die Energien der Liebe nutzbar machen. Dann wird der Mensch - zum zweiten Mal in seiner Geschichte - das Feuer entdecken."
Wie Stephen Batchelor es nun formuliert, muss sich eine Religion einer radikalen Neugestaltung unterziehen, wenn sie in einer neuen Kultur und Zeit Fuß fassen möchte. „Anstatt unverändert das zu konservieren, was seit Jahrhunderten in asiatischen Klöstern gelehrt wird, sollte man die buddhistischen Kernthesen in einer zeitnahen Sprache, die direkt auf die Bedürfnisse der Männer und Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts in Europa und Amerika eingeht, neu formulieren.“
Genau an diesem Punkt setzen die „kreativen Bodhisattvas zwischen Facebook und Hingabe an“. Auf der einen Seite leben sie im 21. Jahrhundert. Sie sind Teil der postmodernen Kultur mit all ihren heilsamen und unheilsamen Ausprägungen. Sie kommunizieren auf Facebook, downloaden Musik auf ihre iPods und verstehen sich als aktive Kulturell-Kreative.
Auf der anderen Seite studieren und praktizieren sie die Lehre des Buddha. Sie meditieren, kontemplieren und lassen den Samen des Mitgefühls und der Hingabe in sich aufgehen. Sie sind Teil einer Jahrtausenden alten Tradition, die im Laufe ihrer Jahre unzählige verwirklichte Meister und Meisterinnen hervorbrachte.
Und genau in diesem kulturellem und spirituellen Prozess möchte dieses Buch heilsame Perspektiven vermitteln. Es möchte Impulse geben, wie man im erblühenden 21. Jahrhundert authentisch die Lehre des Buddha praktizieren kann - UND gleichzeitig ein globaler Weltbürger sein. 
„iBuddhismus. Kreative Bodhisattva zwischen Facebook und Hingabe“ möchte eine Brücke bauen zwischen östlicher Weisheit und westlicher Aufklärung. Zwischen individuellen und kollektiven Prozessen. Zwischen Facebook... und Hingabe.


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