Der Krieger und die Kriegerin - in uns


Es kann sehr hilfreich sein, wenn wir lernen, unsere eigenen Interessen durchzusetzen. Auch mögen es äußere Umstände verlangen, energisch und zornvoll zu handeln – zum Beispiel wenn wir sehen, wie ein anderer Mensch überfallen oder missbraucht wird. Ich habe während meines Studiums in einem Kinder- und Jugendheim gearbeitet. Sehr oft wurde ich dort mit aggressiven Jugendlichen konfrontiert. Betreuer, die es nicht schafften, ihren inneren Krieger zu aktivieren, hatten nur sehr wenige Chancen, von den Jugendlichen gehört zu werden. Einfühlsame Worte helfen nicht immer! Für mich war diese Zeit eine gute Erfahrung zu lernen, zielgerichtet, den Krieger in mir, mit warmem Herzen zu aktivieren. Wir können ihn uns als eine Art Energie vorstellen, die uns jederzeit zur Verfügung steht. Wir müssen sie nur finden und darauf achten, uns nicht zu sehr mit ihr zu identifizieren. 


Es ist auch hilfreich, wenn wir in der Lage sind, festzustellen, wenn Menschen in ihrem negativen kriegerischen Bewusstsein feststecken und sich in einer Spirale aus Gewalt und Selbstzerstörung verlieren. Gerade Jugendliche sind naturgemäß nicht immer imstande, die Dinge von einem übergeordneten Standpunkt aus zu sehen, und die rohe Energie des inneren Kriegers kann ihnen schwer zu schaffen machen. Junge Menschen, die keine berufliche und soziale Zukunft vor sich haben, oder die aus einem schwierigen Elternhaus kommen, handeln manchmal zerstörerisch und unkontrolliert. Da sie kein Ziel vor Augen haben und keine Menschen um sich, die ihnen Geborgenheit vermitteln und haltend auf sie einwirken, bringen sie nicht selten sich und andere Menschen in Gefahr. Seien es Drogen oder kriminelle Machenschaften – die „Karriere“ dieser Menschen ist oftmals gekennzeichnet von unheilsamer Gewalt. 

Postmoderne Buddhisten wie Brad Warner und Noah Levine können in diesem Zusammenhang als positive Vorbilder fungieren. Schon von ihrem Äußeren her – cool und unkonventionell gekleidet – vermitteln sie jungen Menschen, dass der Buddhismus noch etwas anderes sein kann als Mantra-Chanten oder auf dem Kissen zu sitzen. Noah Levine gilt als Begründer der sogenannten Dharma Punx Bewegung, also von Menschen, „die sich im weitesten Sinne der Punk,- Punkrock,- Hardcore- oder sonstwie alternativen (Musik-) Szene verbunden fühlen und gleichzeitig Interesse am Dharma, an Meditation und Revolution im eigenen Geist haben.“
 Gerade junge Menschen, die Erfahrungen mit Drogen oder Gefängnissen gemacht haben, fühlen sich nicht immer wohl im gesitteten Kreis einer „normalen Sangha“. Das Verdienst von Buddhisten wie Levine oder Warner besteht darin, dass sie es schaffen, neue Formen buddhistischer Gemeinschaft zu kreieren, mit der sich auch nicht-konformistische Menschen der Gesellschaft identifizieren können.


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