Rebellen der Weisheit

Kürzlich wurde ich gefragt, warum in meinen Blogposts und Facebook-Beiträgen so oft die Occupy-Bewegung erwähnt wird, bzw. Beiträge kommen, die sich mit revolutionären Vorgängen in dieser Welt auseinandersetzen. Eigentlich ist der Grund ganz einfach: Meiner Ansicht nach ist die Zeit gekommen, spirituelle Praxis mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden. Gerade bei vielen westlichen Praktizierende sehe ich, dass sie zu sehr das Individuum in den Mittelpunkt ihrer Praxis stellen und die Systeme, in denen sie leben, vollkommen aus ihrem Blickwinkel verlieren. Doch wenn wir uns die Welt ansehen, können wir deutlich erkennen, dass Meditation allein nicht mehr genügt. Mittlerweile leiden so viele Menschen auf dieser Erde, so dass wir alle dazu aufgerufen sind zu handeln. Jeder von uns sollte daher das tun, was in seinen Kräften steht.                                                                                             

Wenn ich heute in die Welt blicke, sehe ich so viele Veränderungen und Aktionen, die mich sehr froh stimmen: Der Arabische Frühling 2011 und die Occupy Bewegung haben viele Teile der Welt wachgerüttelt. Wir alle konnten erfahren, dass es in unserer Hand liegt, Veränderungen zu realisieren, wenn wir uns zusammenschließen. In Burma erleben wir in diesen Tagen, wie die einst inhaftierte Aktivistin Aung San Suu Kyi in das burmesische Parlament gewählt wurde - ein entscheidender Vorstoß für die Entwicklung einer inneren Demokratie. Ähnliche Bilder sehen wir in Iran und Israel. Die Menschen dort haben kein Verlangen mehr nach Krieg und Gewalt. Sie wollen sich über Grenzen hinweg verständigen und wertschätzen. Ja - die Welt ist im Wandel!

Doch wenn wir den Blick auf Deutschland richten, so erscheint die Bewegung hier seltsam blutleer. Nur einige spirituell Praktizierende engagieren sich für heilsame Bewegungen in dieser Welt. Stattdessen hört man häufig, man sollte doch erstmal selbst die Veränderung werden, die man in der Welt sehen möchte. Andere argumentieren gleich mit der absoluten Wahrheit und sagen: Es gibt keinen Handelnden, also ist es auch nicht notwendig, etwas zu wollen. Alles ist gut so wie es ist!
Doch wie mir scheint, ist solch eine innere Haltung nur möglich, wenn es einem materiell gut geht und keine nennenswerten Schwierigkeiten zu erwarten hat. Und das führt uns zu einen wichtigen Punkt: Uns geht es einfach zu gut. Wir leben in einer Blase des künstlichen Wohlstandes und diese Blase kontaminiert breite Teile der spirituellen Szene!

Eine reife Spiritualität setzt es sich meiner Ansicht zur Aufgabe, diese Selbstzentrierung zu überwinden. Es geht nicht mehr nur um das persönliche Erwachen. Vielmehr geht es darum, uns als evolutionären Prozess zu verstehen - als einen lebendigen Part eines globalen Erwachens. Es geht darum, unsere Verbundenheit mit allen Wesen dieser Welt zu erspüren - uns kann es nicht gut gehen, wenn die Hälfte der Welt in Chaos aufgeht und Milliarden von Menschen leiden!

In meinem Buch "iBuddhismus. Kreative Bodhisattvas zwischen Facebook und Hingabe" versuche ich diesen spannenden Prozess zu unterstützen, indem ich Mittel und Wege aufzeige, mit denen wir Teil des globalen Movements werden können - damit wir als Rebellen der Weisheit unseren persönlichen Weg mit dem kollektiven Erwachen verbinden- Zum Wohle aller Wesen!