Innere Stille für den äußeren Wandel

In letzter Zeit meditiere ich sehr gerne außerhalb meines Meditationsraumes. Und das bedeutet - meditieren in der lautesten Stadt der Republik: Berlin. 

Meine Verlegerin Ursula Richard hat mir dabei sehr geholfen. Denn ihrer Ansicht nach geht es darum, unsere Fluchtbewegung aufzugeben und die Stille nur in ausgesuchten Locations zu suchen. Denn Stille ist immer und überall da: "Sie ist auch in den Geräuschen zu finden. Stille ist nicht zu erobern, sondern zu entdecken als eine Qualität, die alles durchdringt."

Meine Erfahrung mit der Meditation im öffentlichen Raum ist die: sobald ich mich bewusst in den Trubel der Stadt begebe, meine Augen schließe und meinen Atem spüre, erlebe ich eine intensive Verbundenheit mit der Stadt und all ihren Menschen. Es ist eine Verbundenheit, die weit über das persönliche Erleben hinausgeht. Es ist eine Verbundenheit, die alles umschließt, jedoch in einer sehr konkrete Art: Das Sitzen in der Stille in der Stadt ermöglicht es uns, zu spüren, wie wir tatsächlich einen gemeinsamen Raum teilen - mit gemeinsamen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen.

Wenn ich in der U-Bahn meditiere und die unzähligen Gesichter vorüberziehen sehe, entdecke ich das Gesicht des Universums in diesem fließenden Strom. Mein Gefühl der Verbundenheit führt dazu, den Anderen zu ehren, indem ich ihn wahrnehme - ihn sozusagen herausreiße aus der kalten Anonymität, direkt hinein in das pulsierende Herz unserer gemeinsamen Existenz.

Ja, ich bin sehr erstaunt, welche inneren und äußeren Überraschungen die Stille in der Stadt bereithält. 

Wer den Impuls verspürt, die Stille im öffentlichen Raum zu spüren, ist eingeladen, Orte der öffentlichen Stille zu schaffen. Es geht eigentlich ganz leicht: Setzt euch zu zehnt in einen Kreis, mitten in der Stadt. Meditiert. Lasst eure Ruhe in den lauten Raum fließen. Wer fragen dazu hat, meldet sich einfach...


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