Sexy Meditation

Robert Thurman ist einer der bekanntesten Buddhisten Amerikas. Er war der erste amerikanische Mönch innerhalb des tibetischen Buddhismus. Heute ist er ein bekannter Autor und Je Tsong Khapa-Professor für Indo-Tibetische Buddhistische Studien an der Columbia Universität.

Thurman hielt am 12. Oktober 2011 auf der Occupy-Bewegung eine Rede, die sehr viele Menschen inspirierte. Er sprach davon, dass er auf diesen Moment so lange Zeit gewartet hat. Darauf, dass sich Menschen mit warmen Herzen und kühlen Köpfen zusammenschließen, um gegen die Ungerechtigkeiten des Systems anzugehen.
                          
In diesem Sinne, so riet er uns, sollten wir jeden Tag meditieren. Jedoch sollten wir nicht in eine Meditation verfallen, wie "Uh, ich denke gar nichts mehr, ich bin in der Stille, ich fühle mich so glückselig." Das kann zwar ganz hübsch sein, das Baden in der Stille. Aber hey, wenn wir nur darum meditieren, damit wir uns gut fühlen, können wir auch eine Prozac Tablette nehmen.
Aber wie sollen wir dann meditieren, lieber Professor Thurman?
"Wenn du meditierst, dann kontempliere über Mitgefühl. Denke darüber nach, dass wir als Aktivisten und Aktivistinnen, unsere Zeit dafür geben, die ganze Welt glücklicher zu machen."
Ich gebe zu - ich sehe es auch so. Lasst uns über Mitgefühl meditieren und lasst uns dabei die Straßen füllen mit unserer Liebe und unserer Weisheit. Es ist eigentlich ganz einfach: Setze dich hin, schließe die Augen, öffne dein Herz, spüre deinen Atem. Dann spüre (nicht nur vorstellen) wie ein Freund oder eine Freundin von dir, irgendwo auf der Welt gerade ein Essen kocht, ein Buch liest oder weint. Spüre, wie zeitgleich der Dalai Lama mit dir zusammen meditiert. Spüre, wie in den verborgenen Höhlen des Himalaya die alten Yogis sitzen und irgendwelche abgefahrenen Sachen machen (an dieser Stelle bekomme ich immer eine Gänsehaut). Spüre den Menschen, mit dem du dich diese Woche nicht so gut verstanden hast. Spüre. Und erkenne die Verbundenheit. Wir sind alle da. Real. In Liebe. Wartend. Hoffend. Suchend. Verzweifelt. Glücklich. Meditierend. AUF DEM WEG. Wir sind eins.

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