Zwischen Tier und Superheld

Dein Leben als Mensch ist immer ein "dazwischen". Es manifestiert sich im Spannungsverhältnis deiner Entscheidungen: Lebst du wie ein Tier? Oder handelst du wie ein Superheld?

Beide Entscheidungen wirken auf den ersten Blick bedrohlich. Wer möchte schon ein Tier sein? Sich dem tierhaften aussetzen und sich in einer animalischen Bewusstlosigkeit verlieren. Doch andererseits: Wer möchte schon so weit die zögernde Masse überragen, als das die ersten Rufe erschallen "seht, da erhebt sich einer!"

Ein Tier zu sein, bedeutet, sich ohne Bewusstsein in den alltäglichen Handlungen zu verlieren. Wenn wir Nahrung in uns reinschaufeln und danach gar nicht mehr wissen, was wir da eigentlich gegessen haben - dann hat unser Tier gegessen. Wenn wir unseren emotionalen Impulsen folgen, ohne tiefere Kontemplation über unseren Weg und unsere Vision - dann haben wir unserem Tier nachgegeben... Unser inneres Tier lebt als ständige Möglichkeit bei uns, in uns, mit uns. Gnadenlos nutzt es auch die kleinste Gedankenlosigkeit aus, um sich in seinen Launen zu verlieren. In den Affengeist zum Beispiel, der ruhelos umherspringt und nicht mehr eingefangen werden kann. Oder dem wütenden Löwen, der seine Gegner einfach auffrisst, ohne Bedauern, ohne Reue...

Ein Superheld zu sein, bedeutet, im Alltag achtsam und präsent zu sein. Achtsamkeit kontrolliert unser Tier auf liebevolle Weise und lässt Raum entstehen, in denen unsere Potentiale wachsen und gedeihen können. Ein Superheld ist in der Stille zuhause. Er ist mit der Weite seines Geistes vertraut und schöpft daraus seine unermessliche Energie. Ein Superheld vereint sich mit der Weisheit der Natur - seinem größten Freund und Verbündeten. Die Natur spendet den Wissenden Kraft und Anmut, Lebendigkeit und Erleuchtung. 

Die Natur ist der natürliche Atem des Superhelden.

Es ist nun genau dieses Spannungsverhältnis, das unsere Existenz als Mensch so kostbar macht. Ständig leben wir mit der freien Entscheidung, dem freien Willen. Wofür wollen wir uns entscheiden? Welcher Seite geben wir nach? Überlassen wir dem stolzen Pfau das Steuer? Oder trainieren wir in aller Bescheidenheit, um zum Wohle aller Wesen zu agieren? Verlieren wir uns in der unkontrollierten Lust unseres inneren Schweines, verlieren uns in Wein und künstlichen Neonbildern - oder kontemplieren wir mit Gott über die Zukunft des Menschenweges?

Es ist deine einsame Entscheidung, die dir niemand abnehmen kann. Doch sei dir gewiss, die Welt sehnt sich nach dir und deinem göttlichen Gesicht.


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