Die Post-Kollaps-Gesellschaft

von Johannes Heimrath

"Zur Welt, wie wir sie kennen, gehört auch unsere Eigenart, Warnungen in den Wind zu schlagen. Überall auf dem Erdball gibt es steinerne Zeugnisse des Untergangs, die unsere westlich geprägte Zivilisation zu bloß einer weiteren menschlichen Willenserscheinung degradieren, die es wieder nicht schaffen wird, sich auf nachhaltige Weise in die Lebenswirklichkeit Gaias einzuschmiegen. Ist es nur schiere Vergesslichkeit, dass Mahnungen - offenbar schon immer - verpuffen?

Nun wissen wir seit Kurzem, dass vier Fünftel der Menschen, zumindest der westlich geprägten, über-haupt nicht in der mani-festen Wirklichkeit leben. Die Zeitschrift "Nature Neuro-science" des amerikanischen Kollegiums für medizinische Genetik veröffentliche jüngst eine Studie, nach der bei 80 Prozent der Menschen die vorderen Stirnlappen im Neokortex, dem Teil des Gehirns, der unsere kognitiven Prozesse steuert, kurz: mit dem wir logisch denken und urteilen, ihre Arbeit einstellen, sobald sie problematische oder unangenehme Eindrücke empfangen. Die schlechte Nachricht wird schlichtweg nicht verarbeitet. Die Fakten werden nicht so wahrgenommen, wie sie sind. Stattdessen erhält das Gehirn die Illusion einer warmen, wohligen, wattigen Welt aufrecht, in der am Ende alles gutgeht, das Unmögliche mögliche wird und sich die Probleme in Luft auflösen. Diese fatale Eigenschaft des dominanten Teils unserer Spezies wird "unrealistischer Optimismus" genannt. (...)

Wir glauben, wir könnten die Welt ändern, indem wir gut sind, immer besser werden, unser "Bewusstsein erweitern", uns vegan ernähren, in Gemeinschaft leben, "Lichtarbeiterinnen" werden, die sogenannten öffentlichen Räume mit Kunst beleben und uns vor Walfangschiffe manövrieren, unseren persönlichen ökologischen Fußabdruck reduzieren, demonstrieren, publizieren, agitieren, Schauspiele über den Weltuntergang aufführen . dabei rühren wir in Wahrheit nur in unserer "99%-Tasse" herum, während die Ein-Prozentler weiterhin mit der Welt machen, was sie wollen."

Auszug aus dem augenöffnenden Buch "Die Post-Kollaps-Gesellschaft" von Johannes Heimrath.

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