Was bedeutet es, ein spiritueller Held zu sein?

Buddha war der Ansicht, dass es für spirituell Praktizierende weitaus größere Schwierigkeiten und Hindernisse gibt, als für nicht-praktizierende Menschen. "Normale Menschen" verlieren sich seiner Ansicht nach zumeist in den "niederen Fesseln", damit meinte er Dinge wie die Sinneslust, Hass, die Zweifelsucht, das Hängen an Regeln und dem Persönlichkeits-glaube. All das Zeug finden wir so ziemlich bei jedem Menschen. Es ist, wenn man so will, unser menschliches Karma, unsere große Bürde, mit der wir lernen müssen umzugehen.

Spirituell Praktizierende bekommen zu diesen niederen noch einmal ein paar "höhere Fesseln" raufgepackt. Damit sind die Vorstellungen gemeint, die wohl einen Großteil der spirituellen Leute, irgendwann einmal erwischen. Der Buddha spricht hier von dem Begehren nach feinkörperlichen Dasein - nach Engelswesen und himmlischen Gesängen beispielsweise, oder der Sehnsucht nach magischen Abenteuern und subtilen Geisteserfahrungen. Und er spricht auch von  dem Begehren nach unkörperlichen Dasein - der Vorstellung also, ein Seelenwanderer zu sein, ein körperloser Heiliger, der nach seinem Tod in ein goldenes Licht eintaucht.

Diese "höhere Fesseln" sind um einiges schwerer zu erkennen und zu durchtrennen, als die gewöhnlichen Fesseln. Das liegt daran, dass sich bei spirituell Praktizierenden nach einiger Zeit ein Dünkel bildet - ein Stolz darüber, ein Auserwählter zu sein, dem als einer der wenigen Menschen das göttliche Wissen zuteil wurde. 
Diese Verblendung ist nur schwer aufzuheben - meist erst nach Jahrzehnten, wenn die Familie zu Bruch gegangen ist und man einem einsamen Leben entgegensteuert und das Alter seine knochigen Finger um einen legt.

Eine authentische spirituelle Praxis ist darum meiner Ansicht nach immer auch mit einer gewissenhaften Selbstprüfung verbunden, mit einem knallharten Blick in den Spiegel unseres Egos. Diese schonungslose Prüfung ist der einzige Garant dafür, dass wir nicht in einer eitlen Selbstdarstellung steckenbleiben, sondern weiterhin unseren Weg gehen. Schritt für Schritt - auch wenn es richtig weh tut.

Und für diesen Schritt - diesen ehrlichen und authentischen Schritt - brauchen wir Mut. Sehr viel Mut. Wir benötigen die ganze Kraft unseres Herzens, um durch diese, unsere Schwäche hindurchzugehen. Direkt hinein in den GEIST. Direkt in das lodernde Leben.

"Die Vorstellung ist kühn und herausfordernd, aber ich glaube, besonders zu einer Zeit, in der viele Menschen sich innerlich entwickeln wollen, um die Welt zum Besseren zu verändern, sind immer mehr von uns genau dazu bereit: Verantwortung zu übernehmen für die Richtung, in die wir gehen werden. Wir müssen in all unserer Unvollkommenheit ein Beispiel für das Mögliche sein und in einer Welt voller Zweifel für den GEIST einstehen.

Wenn wir zur Wahrheit und Wirklichkeit des GEISTES erwachen, schauen wir viel tiefer in die Natur unseres Seins und in die Natur der Wirklichkeit selbst. Und genau dort können wir einen furchtlosen Mut entdecken, dieses Leben für die höchsten Beweggründe zu leben, und ein Ausdruck dieser tieferen und höheren Wirklichkeit in der Welt zu sein. Ich habe keinen Zweifel, dass unsere Bereitschaft dazu bestimmen wird, welchen Einfluss wir tatsächlich auf die Zukunft unseres sich entwickelnden Bewusstseins und unserer Kultur haben werden." Andrew Cohen

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