Buddha ist tot


Wenn mich jemand fragt, ob es denn den Buddha überhaupt gegeben hat, wäre ich nicht imstande zu sagen, „ja, es hat ihn mit äußerster Sicherheit gegeben.“ Vielmehr muss ich sagen, „vermutlich hat es ihn gegeben. Und vermutlich hat er dieses oder jenes über das Erwachen gesagt. Vielleicht hat er aber auch gar nichts gesagt. Niemand weiß das zu 100%.“

Darum ist Buddha für mich nicht mehr als ein Gespenst. Ein Phantom. Ein Hintergrundrauschen. Und ehrlich gesagt - mich kümmert Buddha auch nicht besonders. Vielleicht hat es ihn gegeben, vielleicht auch nicht. Fakt ist: Buddha ist tot. So oder so.

Schon immer erhitzten sich die Gemüter der Schriftgelehrten, wenn sie über den Buddha sprachen. „Der Buddha meinte dies“, sagt der eine. „Nein, der Buddha sagte jenes“, schimpft der andere. Dabei werfen sie sich Zitate an den Kopf, die irgendjemand 400 Jahre nach dem Ableben des Buddha aufgeschrieben hat. 

Heute geschieht es, dass immer mehr buddhistische Lehrer und Lehrerinnen, die Absurdität dieser ganzen Geschichte wahrnehmen. Geht es wirklich darum, Recht zu haben? Geht es darum - politisch korrekt - herauszuarbeiten, was denn nun ein richtiger Buddhismus ist und was nicht? Geht es wirklich darum, sich hinter verstaubten Bücher zu verschanzen und sich in endlosen Theorien über das Wesen des Erwachens zu verlieren?

Oder geht es um das Erwachen selbst?

Der Buddha selbst sagt dazu, dass es vollkommen ausreicht, wenn wir wenige heilige Schriften kennen - diese jedoch wirklich in unser Leben integrieren. Denn ein versierter Gelehrter des Buddhismus, der es nicht schafft, die Lehre in die Tat umzusetzen, nimmt nicht Teil an der Freude des spirituellen Lebens.

"Buddhas Lehre findet man nicht in Büchern. Wenn du wirklich sehen willst, worüber der Buddha sprach, brauchst du dich nicht um Bücher zu kümmern. Beobachte deinen eigenen Geist. Untersuche ihn, um zu sehen, wie Gefühle kommen und gehen, wie Gedanken entstehen und vergehen. Hänge dich an nichts, sei dir nur aller Dinge bewusst, die es da zu sehen gibt. Das ist der Weg zu den Wahrheiten des Buddha. Sei natürlich. Alles, was du in diesem Leben hier tust, ist eine Gelegenheit zu üben. Es ist alles Dhamma." Ajahn Chah

Auch wenn wir unser ganzes Leben damit verbringen, den Buddha in Büchern und überlieferten Schriften zu finden, so wird er nicht mehr lebendig. 
Doch es gibt dich! Du bist lebendig. Du besitzt die Möglichkeit, deinen Geist zu erforschen. Du kannst ein Buddha werden.

Buddha ist tot! Es lebe der Buddha!


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