Der nackte Buddha


Es gibt im Grunde genommen nur vier Arten von Menschen. Dies ist so, weil es letztendlich nur eine Polarität gibt im Leben und das ist die zwischen Glück und Leiden. Manchmal erfahren wir Menschen Glück, ja sogar Seligkeit und das freut uns sehr. Und manchmal erfahren wir Menschen Leid und das betrübt uns und macht uns sehr zu schaffen.

Der erste Mensch entscheidet sich für ein solides Leben in der Mitte dieser Polarität. Das heißt, sein Glückserleben, seine Seligkeit sind überschaubar - und auch sein Leiden hält sich in geordneten Bahnen. Zumeist weiß dieser Mensch ganz genau, welche Position er in diesem Leben einnimmt. Er identifiziert sich in höchstem Maße mit einem Beruf, einer Identität, die ihm Halt, Sicherheit und Orientierung bietet.

Der zweite Mensch entscheidet sich für ein Leben der Extreme. Das heißt, er wird zwischen den Bahnen der Glückseligkeit und des abgrundtiefen Leidens hin und her geworfen. Oftmals sind diese Menschen Künstler, Schriftsteller, Abenteurer oder Musiker - Menschen also, die ständig auf der Suche sind und dabei die Pforten des Nirvana ebenso berühren wie die Pforten ihrer vielen inneren Höllen.

Der dritte Mensch lebt völlig im Leid. Es sind die ausgestoßenen und Wahnsinnigen der Gesellschaft. Ich habe einige Jahre in der geschlossenen Psychiatrie gearbeitet und weiß, wie zermürbend es ist, im Wahnsinn gefesselt zu sein. Menschen in diesem Bereich lassen oftmals alle Hoffnung fahren. Ihr Leben gleicht einer gefrässigen Dunkelheit, der nicht beizukommen ist.

Der vierte Mensch hingegen lebt völlig in der Glückseligkeit. Ihr Glück entsteht, weil sie angekommen sind in ihrem inneren Zuhause. Es gibt nichts mehr, was sie in der Außenwelt finden wollen. Natürlich empfindet er Schmerzen, wenn es zu kalt ist oder er nichts zu essen bekommt - aber er leidet nicht. Er entspannt sich in den gegenwärtigen Moment, seinem unverwüstlichen Zuhause.

Im alltäglichen Leben können wir nun beobachten, wo wir uns gerade befinden. Wo warst du heute? Wo bist du jetzt? Hast du es dir in der soliden Mitte des Lebens gemütlich gemacht? Durchdringt dich dumpfe Zufriedenheit?
Oder tanzt du heute Nacht mit den Engeln, nur um morgen in Reue Abbitte zu leisten? Ist dein Leben ein ständiger Drang nach Nirvana oder ist aller Drang versiegt?

Konstante Selbstbeobachtung hilft uns ungemein auf dem Weg. Lebe ich gerade in einem Wahn? Lebe ich ein durchschnittliches Leben ohne Sinn und Suche? Ist das Leben eine Rutschbahn der Extreme? Bin ich angekommen?

Jeder Moment zeigt uns auf, wo wir gerade stehen. Es ist der einzige Moment, den wir haben und den wir beeinflussen können. In dem wir der Buddha sind.


_()_

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen