Die Illusion deiner Spiritualität


Vor einiger Zeit coachte ich einen jungen Mann zu dem Thema "Sinn des Lebens". Sein Ziel war es, den Sinn seines Lebens zu finden, sowie spiritueller zu werden.

Nach einigen Sitzungen kamen wir darauf, dass genau dieses Ziel "ich will spirituell werden" ihn unglücklich machte. Seine Suche nach Sinn und Spiritualität führten dazu, die kostbaren Momente der Gegenwart wahrzunehmen. Stattdessen suchte und suchte er nach einem spirituellen Halt, der niemals kommen wollte. 

Die große Gefahr einer westlich-spirituellen Praxis liegt meiner Ansicht nach darin, uns zu sehr an eine spirituelle Sichtweise zu klammern. Nichts trennt uns mehr von dem, was wir sind, als die Vorstellungen darüber, was wir sind.

Als meinem Klienten dieser Umstand klar wurde, erlosch fast schlagartig sein Interesse an spirituellen Konzepten. Sein Gesicht erhellte sich. Ihm wurde bewusst, wie reich sein Leben JETZT war. Und dass ihn lediglich der Glaube an etwas davon abhielt, diesen Reichtum zu entdecken und zu leben.

Gerade der Buddhismus bietet tausende Konzepte an, die man studieren, diskutieren und sich damit identifizieren kann. Doch auch der Buddhismus - sowie jedes andere spirituelle System - liefert uns lediglich ein Glaubenssystem, das uns innerhalb seiner eigenen Grenzen gefangen hält. 

Die spirituelle Praxis ist somit das größte Hindernis geworden zu erwachen.

Der Buddha erklärt: "Der Geist wird durch die Art und Weise geformt, auf die man wiederholt in seinem Inneren kontempliert und argumentiert." Kurz gesagt: Wir sehen die Welt durch die gefärbte Brille unserer Kultur und Sprache. Und auch wenn es eine "spirituelle Brille" ist, so wird sie mich dennoch davon abhalten, die Dinge so zu sehen wie sie sind. 

Einen Ausweg aus diesem Dilemma sehe ich in der Möglichkeit, in die Energie des Körpers zu gehen. Dazu ist es notwendig zu warten, bis sich der Geist beruhigt hat. Es bedeutet auch, das Ziel loszulassen und unsere Ausrichtung zu verlieren. Jetzt ist der Augenblick gekommen in das Wissen des Körpers einzutreten. 

"Indem wir uns mit der Erde verbinden, straffen wir unsere Haltung, sprechen mit Selbstvertrauen und zerstreuen die Zweifel des Geistes. Der Geist besitzt hier keine Macht. Verkörpertes Handeln kommt aus der Erde selbst, aus den Wurzeln der Bäume und dem Granit der Berge." Rodney Smith

Verkörpertes Handeln hilft uns zudem, die spirituelle Praxis in den wichtigsten Bereich des Lebens zu bringen: unseren Alltag. Ich kenne viele Praktizierende, die auf dem Meditationskissen oder in Retreats tiefe und durchdringende Einsichten haben. Doch in ihren alltäglichen Leben ist ihr Verhalten und ihr Denken sehr vernebelt und unklar. 

"Wie viele heilige Worte du auch lesen magst, wie viele du auch sprechen magst, welchen Nutzen haben sie, wenn du nicht ihnen gemäß handelst?" Buddha

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1 Kommentar:

  1. Es ist wie in der Meditation. Es geht nicht darum, abzudriften und sich in irgendwelche schleierhaften Sphären zu begeben, sondern es geht ums DA SEIN, ums wachsame und bewusste Erleben und Erfahren des Momentes.

    So ist es, so gerne man sich in den spirituellen Erfahrungen auch suhlen mag, sinnvoll, auf dem Boden zu bleiben, bzw. zu lernen, auf den Boden, auf die Erde zurückzukehren, und die "normalen" Sachen, die das Leben für einen bereithält, weiter zu bedienen und hier tatsächlich seine Basis, das, worauf sich meine persönliche Entwicklung aufbaut, anzusehen und anzuerkennen.

    Denn jeder fruchtbaren Entwicklung geht der Ursprung im Samen, der nunmal aus der Erde erwächst, voraus. Sich darauf zu besinnen, schafft Vertrauen und ist hilfreich, um sich selbst und seinen Ursprung nicht zu verleugnen.

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