Hingabe und Demut im 21. Jahrhundert


Der Zen-Meister Thich Nhat Hanh sagte während eines Retreats, dass für die jüngeren Generationen die alleinige Praxis von Hingabe und Demut nicht mehr ausreicht. Die neuen Generationen haben heute sehr viel zu erleiden und brauchen deshalb eine Form der Praxis, die es ihnen ermöglicht, mit diesem Leiden fertig zu werden. Es geht heute nicht mehr nur darum, die eigene Erleuchtung zu erlangen, vielmehr sollte alles unternommen werden, um die Essenz des Buddhismus in die gesellschaftlichen Institutionen, wie den Bildungs- oder politischen Systemen zu bringen, da es hier in großem Stil zu Leiden kommt. Gerade die Schulen, Kindergärten und Universitäten sollten ein Ort sein, an dem Menschen die Chance bekommen, eine innere Heilung zu erfahren. 

Buddhisten und Buddhistinnen sollten sich berufen fühlen, den jüngeren Generationen näher zu bringen, wie man mit Leid und schmerzhaften Gefühlen umgehen kann und wie man in einer unsicheren Welt innere Kraft und Frieden findet. Dazu ist es unabdingbar, dass wir uns selbst transformieren und diese Qualitäten in uns selbst ent-decken. Für diese innere Ent-wicklung müssen wir einen Ort finden, an dem wir das lernen und integrieren können. Wir müssen also eine Kultur der Transformation erschaffen, in die wir gemeinsam eintauchen können. Dann können wir uns daran machen, unser rechtes Verhalten in den Alltag zu integreren um auch unserer Kultur eine tiefgreifende Transformation zu ermöglichen.

Wie schaffen wir das? Wie kann der Buddhismus eine relevante Stütze in unserer Gesellschaft werden - sowohl für die persönliche, als auch gesellschaftliche Entwicklung?

Der Buddhismus beinhaltet das Potential eine tragende kulturelle Stütze zu sein, da er über eine ausgefeilte Ethik verfügt, sowie über Methoden, wie man diese Ethik praktisch und pragmatisch in unser kulturelles und individuelles Leben integrieren kann. Doch leider ist dem Großteil der Bevölkerung der Zugang zum Buddhismus durch seine traditionelle Repräsentation verschlossen. Wenn sich jedoch die Lehre des Buddha nicht als Teil unserer Kultur etabliert, wird er sich in unserer Gesellschaft nicht halten können und vermutlich von der Oberfläche verschwinden.
Warum also nicht das unternehmen, was schon immer unternommen wurden, wenn die Lehre des Buddhas in eine neue Kultur eintrat: Sie nämlich anzupassen an die Gepflogenheiten und Wurzeln des jeweiligen kulturellen Raumes. Und in diesem Prozess ist jeder von uns aufgefordert sich zu beteiligen - zum Wohle aller Wesen.

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