OM NAMO NARAYANAYA

Als es an der Zeit ist, nimmt er Platz am Ufer des Flusses und beginnt sein Mantra zu singen. Beginnt, in den seit Jahrtausenden ununterbrochenen Fluss der heiligen Silben und heiligen Melodien sich einzufügen, einzustimmen.

OM NAMO NARAYANAYA. Ich verehre Gott in allen Wesen.

Und als er - verbunden mit all den Millionen und Abermillionen Seelen, die vor ihm ebenfalls in diesen heiligen Worten aufgegangen waren - singend an diesem Fluss verweilt, bricht die Liebe aus ihm heraus. Und mehr noch, er sieht wie die Liebe - die wahre Liebe - aus allem herausbricht, wie sie aus dem geheiligten Boden auf dem er sitzt, herausströmt, unaufhaltsam, unaufhörlich und wie sich diese Liebe formt in Mücken und Vögel, in Gräser und Steine und Flüsse und Berge. Und Menschen und Engel. Und dann bricht es einfach auf.

OM NAMO NARAYANAYA. Ich verehre Gott in allen Wesen.

Es ist alles Liebe. Einfach alles. Es ist der Urboden auf dem wir sitzen. Und es bricht durch alles hindurch. Durchdringt jedes einzelne Sandkorn, jeden Grashalm, jede suchende Menschenseele. 

Und er sieht in diesem klaren Moment seine Aufgabe: Aufzubrechen, um dieses zeitlose Lied der Liebe zu singen. 
Um ein Wegweiser zu sein, in Zeiten der Orientierungslosigkeit. 
Um ein Licht zu spenden, in kollektiver Finsternis.
Um in Frieden und Freude zu baden, in Zeiten des schmutzigen Krieges.
Um ein tiefer Mensch zu sein, in Zeiten der medialen Oberflächlichkeit.

Und seine Aufgabe ist es, restlos in Gott, dem Unaussprechlichen, zu ruhen, denn dann - und nur dann - besitzt er das unerschütterliche Vertrauen in seine Missionen, seinen Weg.
Und er spürt: die Zeit der Angst ist vorbei. Jetzt öffnet er sein Herz dem Nie-Verschlossenen. Jetzt öffnet er seine Augen, dem Alles-Sehenden. Und er legt seine kleine Seele in die große Seele. Denn sie sind Eins. Immer schon gewesen.

Als heiliger Mann zieht er fortan durch dieses Land - sein kleines Leben dem großen Leben geweiht, dieser Kraft, die alles umschließt und erfasst. Sein Leben  nun ein Chant, ein Wispern Gottes, ein freudvolles Licht.

Als heiliger Mann zieht er fortan durch dieses Land - er lässt die Dinge los, die ihn entfremden in seiner Verbundenheit; löst sich von alten Verletzungen und Wunden, die verhindern, den aufrechten Weg zu gehen.

Und so wird sein Weg - als heiliger Mann - ein singender Klang, ein unerschütterliches Weitergehen.
Und so wird sein Weg - als heiliger Mann - ein Mantra des Friedens, eine Unterwerfung des großen Willen, der alleine es vermag ihn zu erfüllen und aufzurichten als ganzer Mensch.

Hare Ram - Gott ist wahr.

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