Der spirituelle Wahnsinn Deines Indigo Kindes


Kann es sein, dass es im Grunde egal ist, ob Du Dir ein MercedesBenz-Neuwagen Prospekt ansiehst oder die neue Ausgabe der Happinez durchblätterst? Schließlich wollen Dir beide nur scheinbar Glück schenken, während sie – knallhart – lediglich an Deinem Geld interessiert sind. Die einen verkaufen Glück auf Rädern. Die anderen verkaufen Glück mit Heilsversprechungen. Kein Unterschied.

 Natürlich hat der materiellen Wahnsinn - der alles zersetzende Konsum - schon längst die spirituelle Szene unterwandert. Und so ist es kein Wunder, dass auch der spirituelle Praktizierende sich mehr und mehr in einen spirituellen Konsumenten verwandelt. Wobei der einzige Unterschied zu einem "normalen Konsumenten“ schlicht darin besteht, dass er seine begehrten Dinge mit spirituellen Phrasen und Floskeln aufhübscht.

Als ich letztens eine Bekannte besuchte, die direkt neben ein Chemie Werk gezogen war, wurde sie nicht müde, die spirituelle Bedeutsamkeit ihres neuen Wohnortes zu preisen. „Die Vormieter sagten, dies sei ein wahrhaft magischer Ort“, erklärte sie mir. „Sogar die Grundmauern stehen auf uralten Fundamenten.“
Ich blickte auf den qualmenden Schornstein des Chemie Werkes und sagte nichts.

Stattdessen beobachte ich weiter. Wenn ein spiritueller Konsument ein Auto kauft, dann war es ein „schicksalhafter Kauf“, ja, ich habe sogar schon gehört, „es sei Bestimmung gewesen“ genau dieses Auto zu kaufen.
Und wenn ein hochrangiger spiritueller Meister in die Stadt kommt, werden die Verkaufsstände vor dem Saal immer länger und länger. Stände mit gesegneten Malas, gesegneten Ohrringen und gesegneten Armbändern reihen sich an Ständen mit gesegneten Meditationskissen, gesegneten Vajras, gesegneten Bildern und Postern, gesegneten Eierwaffeln.

Ein Herbstspaziergang ist für den spirituellen Konsumenten selbstverständlich kein trivialer Herbstspaziergang mehr. Nein, es wird heute im Samhain gewandelt, es werden Elfen erspürt und Waldgeister beschworen. Der ganze herbstliche Wald verwandelt sich in Avalon. 

Und wenn einmal zusammen gesungen wird, dann ist das kein triviales miteinander singen mehr. Nein, heute wird eine transformatorische Ekstase erfahren, ein Ring aus Liebe, ein Wunder.

Und dieser ganze Wahnsinn kulminiert schließlich, wenn wir unsere innere Gier und unseren Narzissmus auf unsere Kinder werfen und sie als Indigo und Kristall Kinder deklarieren, damit sie unserem Bedürfnis nach kosmischer Besonderheit und erleuchteter Extravaganz befriedigen. (Interessanterweise resultiert die Unruhe, soziale Verhaltensauffälligkeit und Zappeligkeit der sogenannten Indigo Kinder schlicht daher, weil es die friedvollen Eltern nicht schaffen, dem Kind naturgemäße Strukturen zu setzen).

Wie entwickelt sich dieser spirituelle Bullshit wohl weiter? Wann werden Berge einfach wieder nur Berge sein? Und ein herzliches Miteinander einfach nur ein herzliches Miteinander? Wann wird ein spielendes Kind einfach wieder nur ein spielendes Kind sein?

Und genau das sind die spannenden Fragen der Spiritualität im anlaufenden 21. Jahrhundert.

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